Universität KonstanzExzellenzcluster: Kulturelle Grundlagen von Integration

Grenzerfahrungen

22. Mai 2012

Unter dem Titel „Reisen in Grenzregionen. Dokumentarische Blicke, mobile Betrachter“ sind am Mittwoch, 30. Mai 2012, Ulrike Ottinger, Ursula Biemann und Shaheen Dill-Riaz im Konstanzer Kulturzentrum am Münster zu Gast.

Im Fokus des Werkstattgesprächs steht der Zusammenhang zwischen Kunst und Dokumentation einerseits, sowie deren Wirkung und Ziel andererseits: Wie dokumentarisch ist die Kunst und welches Publikum erreicht ein Film bzw. eine Video-Installation? Vermögen bewegte Bilder Weltsichten zu verändern und was wollen engagierte Künstler in der gegenwärtigen geopolitischen Konstellation sichtbar machen oder bewirken? Diesen und anderen Fragen stellen sich die eingeladenen Filmexperten. Dazu werden Ausschnitte aus mehreren Arbeiten von Ulrike Ottinger und Ursula Biemann gezeigt und gemeinsam analysiert.

Die Veranstaltung ist eine Kooperation zwischen dem Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“ und dessen Master-Studiengang „Kulturelle Grundlagen Europas“ an der Universität Konstanz sowie dem Kunstverein, dem Kulturbüro und dem Scala Kinocenter Konstanz. Das Gespräch wird von Deniz Göktürk, University of California, Berkeley, USA, und Sven Sappelt, Universität Konstanz, organisiert.

Ulrike Ottinger ist seit den frühen 1970er-Jahren Regisseurin. Sie konzentriert sich dabei auf Reisefilme, in denen sich der dokumentarische Blick mit phantastisch- theatralischen Elementen verbindet. Sie hat in der Mongolei, China, Korea und Japan gedreht und ihre Werke werden sowohl im Kino als auch in Kunstausstellungen wie der Documenta gezeigt. Die geborene Konstanzerin filmte gelegentlich auch am Bodensee, zum Beispiel für das Piratendrama „Madame X“ von 1977, in dem der Innenhof der Universität Konstanz zu sehen ist. In den Jahren 1969 bis 1972 betrieb sie einen Filmclub in Konstanz. Ein Gespräch mit Ottinger über bewegte Bilder in Grenzregionen ist daher nicht zuletzt auch ein Ereignis von stadtgeschichtlicher Bedeutung.

Ursula Biemann verfolgt mit ihren Film-Essays und Video-Installationen seit den späten 1990er-Jahren das Projekt einer Gegen-Geographie. Der globalen Zirkulation von Ressourcen stellt sie die Reflexion über situierte Körper entgegen. In den Arbeiten „Europlex“ (2003) und „Sahara Chronicle“ (2006 bis 2007), die noch bis zum 1. Juli 2012 beim Kunstverein Konstanz zu sehen sind, zeigt sie, wie sich die Außengrenzen der Europäischen Union immer weiter nach Süden in den afrikanischen Kontinent hinein verschieben und eigene ökonomische Strukturen wie Transport- und Versorgungsnetzwerke entstehen lassen.

Beide Künstlerinnen verbinden dokumentarische Strategien mit ästhetischer Verarbeitung und zeigen ironische Diskrepanzen zwischen gängiger Medienberichterstattung und der alltäglichen Praxis vor Ort. Ursula Biemann, die in Zürich lebt und arbeitet, betrachtet Ulrike Ottinger dabei als eine Wegbereiterin, die das Video in den Kunstraum eingeführt hat. Daraus ergeben sich Korrespondenzen auf inhaltlicher und formaler Ebene zwischen Ottingers Film „Südostpassage“ und Biemanns „Black Sea Files“, einer Videoarbeit über das Leben entlang der Ölpipeline vom Kaspischen Meer bis zum Mittelmeer.

Shaheen Dill-Riaz wurde 1969 in Dhaka, Bangladesch, geboren. Er war Mitorganisator des International Short Film Festivals Dhaka und arbeitete als Filmjournalist in Bangladesch. 1992 kam er über ein Kultur-Stipendium des Goethe-Instituts Berlin nach Deutschland. Nach einem Studium der Kunstgeschichte in Berlin begann er 1995 ein Kamerastudium in Potsdam- Babelsberg. 2007 realisierte Shaheen Dill-Riaz nach „Sand und Wasser“ und „Die glücklichsten Menschen der Welt“ seinen dritten langen Dokumentarfilm „Eisenfresser“, der die Menschen auf einer bengalischen Schiffsabwrackwerft porträtiert. Der Film wurde bereits auf vielen internationalen Festivals ausgezeichnet. „Korankinder“ aus dem Jahr 2009 ist Dill-Riaz ́ vierter Dokumentarfilm.

Deniz Göktürk, Professorin für Germanistik, Film und Medien an der University of California, Berkeley, ist derzeit Fellow am Kulturwissenschaftlichen Kolleg des Exzellenzclusters an der Universität Konstanz. Sie wird das Werkstattgespräch moderieren und in den Kontext von Fragen nach der Bedeutung von Dokumenten und Archiven für Autoren und Betrachter in unserer polyglott-mobilen Welt stellen.

Weitere Informationen zu Ulrike Ottinger gibt es unter www.ulrikeottinger.com, zu Ursula Biemann unter www.geobodies.org.

Hinweis an die Redaktionen

Das Werkstattgespräch findet statt am Mittwoch, 30. Mai 2012, von 14 bis 20 Uhr im Wolkensteinsaal im Kulturzentrum am Münster in Konstanz. Die Veranstaltung ist öffentlich, der Eintritt ist frei.

Begleitprogramm

28. Mai 2012, 18 Uhr: „Unter Schnee“, Filmvorführung und Gespräch mit Ulrike Ottinger, Scala Kinocenter

29. Mai 2012, 20 Uhr: „Ulrike Ottinger – Die Nomadin vom See“, Kinostart, Filmvorführung und Gespräch mit Ulrike Ottinger und Brigitte Kramer, Scala Kinocenter

4. Mai bis 1. Juli 2012: „Sahara Chronicle“, Ausstellung von Ursula Biemann im Kunstverein Konstanz


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