Universität KonstanzExzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“

Archiv und Rezeption

31. Juli 2012

Haupt- und Oberseminar

Lehrende: Dr. Michael Neumann, PD Dr. Marcus Twellmann, Julia Wagner

„Jeder literarische Text“, so formulierte es der Konstanzer Romanist Hans Robert Jauß, „weckt Erinnerungen an schon Gelesenes, bringt den Leser in eine bestimmte emotionale Einstellung und stiftet schon mit seinem Anfang Erwartungen für Mitte und Ende.“ Dieses kurze Zitat kann als Quintessenz einer Strömung der Literaturtheorie verstanden werden, die Ende der sechziger Jahre unter dem Titel „Rezeptionstheorie“ zu einem weltweiten Exportschlager wurde. Entlang der schwer fassbaren Kriterien von Wirkung, Rezeption und Nachruhm stellte Jauß ein anderes Modell der Literaturgeschichtsschreibung vor, das sich nicht mehr allein auf die biographischen oder historischen Entstehungsbedingungen von Literatur konzentrieren sollte.

Heute ist diese Theorie selbst historisch geworden und der Nachlass der so genannten „Konstanzer Schule“ befindet sich zu Teilen im Deutschen Literaturarchiv Marbach. Entlang des umfangreichen Bestandes von Hans Robert Jauß soll gefragt werden, wie der Vordenker einer Rezeptionsgeschichte seinerseits versucht hat, die Rezeption der eigenen Schriften durch deren Archivierung gezielt zu steuern und damit nicht zuletzt auch den eigenen Nachruhm zu sichern. Doch lässt das Archiv sich auf Zwecke der Werkpolitik nicht festlegen: Es hält immer auch die Möglichkeit offen, die Texte und ihre Kontexte ganz und gar abweichend von den Absichten der Verfasser zu lesen. Nicht zuletzt macht das Archiv auch auf seine eigenen Aporien aufmerksam – oftmals dient der Ort der Speicherung nicht der Erinnerung sondern gerade dem sorgsam vorbereiteten Vergessen.

Das Seminar wird in zwei Blöcken stattfinden: Nach einer ersten Beratung am 20.4. werden wir uns am 15./16.6. in Konstanz treffen, um die theoretischen Grundlagen zu erarbeiten. Am 30.7.-1.8. werden wir uns in Marbach aufhalten, um den Wissensraum des Archivs zu erkunden und der Spur einer intellektuellen Kultur zu folgen, die einmal in Konstanz beheimatet war: Konstanz trifft Konstanz. Das Seminar wird durch das Deutsche Literaturarchiv Marbach und durch den Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“ der Universität Konstanz finanziell gefördert. Die Kosten für Reise, Übernachtung und Arbeitsmaterialien werden übernommen. Die Teilnehmerzahl ist auf zwölf begrenzt.

Fr–Sa, 15.–6. Juni 2012
Universität Konstanz

Di–Mi, 30. Juli–1. August 2012
DLA Marbach

Anmeldung

bitte an julia.n.wagner[at]uni-konstanz.de oder marcus.twellmann[at]uni-konstanz.de

Kooperation zwischen dem Deutschen Literaturarchiv Marbach und dem Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“ der Universität Konstanz


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