Universität KonstanzExzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“

Neuerscheinung: Politik beobachten. Öffentlichkeit und Medien in der Frühen Neuzeit. Von Rudolf Schlögl

6. März 2009

In: Zeitschrift für Historische Forschung 35, 4 (2008), S. 581-616.

[...] Ein Versuch, den Begriff der Öffentlichkeit analytisch wieder schärfer zu fassen, kann zwei Entwicklungen aufgreifen, die sich aus der kommunikations- und medientheoretischen Orientierung der jüngeren Forschung ergeben. Zum einen wird hier ein neuer Begriff von Politik sichtbar, der die medialen Konstitutionsbedingungen der frühneuzeitlichen Vergesellschaftung berücksichtigt. Zum anderen zeichnet sich in der medien- und sozialwissenschaftlichen Diskussion ab, daß ein Kommunikationsbegriff, der auf die bloße Übertragung von Informationen abstellt, zu kurz greift, wie ein Medienbegriff reduktionistisch ist, der nur die Übertragungsleistung von Medien erfaßt. Diese konventionellen Begriffsbildungen lassen Konzepte unberücksichtigt, die den Kommunikationsbegriff mit der Bildung sozialer Strukturmuster verbinden. Voraussetzung dafür ist unter anderem eine Ausweitung des Medienbegriffes, so daß die Eigenlogik der Medien in dem von ihnen generierten Weltzugriff und in der durch sie konstruierten kognitiven und sozialen „Realität“ erfaßt werden kann.
Meine Absicht ist es, hier für eine analytische Schärfung und damit verbunden für eine Historisierung des Begriffs der Öffentlichkeit zu plädieren. Er soll in ein kommunikations- und medientheoretisches Konzept frühneuzeitlicher Vergesellschaftung eingebettet werden, das deren Differenzierungsdynamik betont. Der Begriff der Öffentlichkeit wird hier also nicht neu konfiguriert, indem Trägerschichten, Kommunikationsräume und Kommunikationskreise in besonderer Weise berücksichtigt werden, wie es jüngst vorgeschlagen wurde. Es geht vielmehr darum, ihn in seiner medialen Logik zu erfassen, indem er aus einem Bezugsrahmen heraus entfaltet wird, der durch die Begriffe „Kommunikation“ und „Beobachtung“ umrissen ist. [...]

Der Historiker Prof. Dr. Rudolf Schlögl ist Sprecher des Exzellenzclusters.


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