Universität KonstanzExzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“

Tagung „Bürgerkriege“: Integration auf dem Prüfstand

29. November 2007

Der Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“ der Universität Konstanz stellt sich mit seiner Auftaktveranstaltung „Bürgerkriege: Gewalt – Trauma – Intervention“ am 29. und 30. 11. 2007 im Konstanzer Inselhotel erstmals einer größeren Öffentlichkeit vor.
Die Beiträge von Konstanzer Professoren und internationalen Gastrednern spannen inhaltlich einen Bogen von der traumatisierenden Gewalterfahrung über deren Verarbeitung in Erzählungen bis hin zu Wiederaufbau und nachhaltiger Friedenssicherung.

Konstanz, 7. November 2007: Bürgerkriege setzen die Grundkoordinaten des gesellschaftlichen Zusammenlebens aufs Spiel. Daher eignen sie sich sehr gut als Modellfall, um Formen von Integration und Desintegration aus verschiedenen Perspektiven zu untersuchen. Aus diesem Grund wählte der Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“ dieses Thema für seine Auftaktveranstaltung.

Avishai Margalit eröffnet die Tagung am 29.11. um 19 Uhr mit einem Festvortrag. Margalit, der an der Jerusalemer Hebrew University Philosophie lehrte und derzeit am Institute for Advanced Study in Princeton arbeitet, setzt sich u.a. als Mitbegründer von „Peace Now“ für ein friedliches Zusammenleben von Israelis und Palästinensern ein. Am zweiten Konferenztag, 30.11., hat Stathis N. Kalyvas das erste Wort. Der Politikwissenschaftler gibt einen Einblick in die Mikrodynamik von Konflikten und bringt noch offene Fragen der Bürgerkriegsforschung zur Sprache.

Wie werden diese Konflikte erzählt, vermittelt, erinnert? Dies erörtern Aleida Assmann, Ulrich Gotter und Albrecht Koschorke. Erzählungen schildern die Bürgerkriege niemals einfach nur, sondern deuten die Konflikte, schaffen Sinnzusammenhänge, provozieren oder schlichten und finden schließlich Eingang in die kollektive Erinnerung, die wiederum zur Grundlage des künftigen Selbstverständnisses wird. Auf diese Weise beeinflussen sie ganz entscheidend, ob und wie stabil bzw. dauerhaft die Krise überwunden wird.

Anschließend rücken die Betroffenen selbst in den Blickpunkt: Der Psychologe Thomas Elbert und der Soziologe Bernhard Giesen beschäftigen sich mit Traumata, die Bürgerkriege bei Opfern und Tätern hinterlassen. Können traumatisierte Opfer und Täter einen Weg zurück zu einem friedlichen Zusammenleben finden und wie?

Aus juristischer Warte wiederum legt US-Diplomat Michael Johnson dar, auf welche Schwierigkeiten die Ahndung selbst massiver Menschenrechtsverletzungen stößt. Der frühere Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien berichtet über die kulturellen Hindernisse, die sich dem Versuch entgegenstellen, wieder rechtstaatliche Normen in Konfliktregionen einzuführen.

Die abschließende Podiumsdiskussion geht der brisanten Frage nach, wie die internationale Staatengemeinschaft angemessen auf Bürgerkriege reagieren kann. Immerhin wurden über 90% aller Kriegsopfer in den 1990er Jahren durch Bürgerkriege verursacht. Und aktuell herrschen in einem Dutzend Ländern Bürgerkriege. Soll die Weltgemeinschaft in Krisenregionen eingreifen, um ethnische Säuberungen und Massenmord zu verhindern? Können religiös oder ethnisch bedingte Konflikte überhaupt durch Dritte gelöst oder zumindest gemildert werden? Ziehen internationale Interventionen erstrangig auf humanitäre Hilfe ab oder dienen sie vielmehr als Vorwand, eigene wirtschaftliche und politische Interessen abzusichern?

Unter der Moderation des Balkanexperten Matthias Rüb diskutieren Hans Blom, u.a. damaliger Leiter der Regierungskommission, die das Massaker von Srebrenica im Juli 1995 untersuchte, die Politikwissenschaftler Christopher Daase und Hubert Kleinert sowie Peter Schumann, langjähriger UNO-Mitarbeiter und zuletzt Leiter der UN-Mission im Süd-Sudan (UNMIS).

Weitere Informationen finden Sie auf den Seiten der Veranstaltung.

Pressekontakt:
Claudia Marion Amann
Koordinatorin für Öffentlichkeitsarbeit und Wissenstransfer
Exzellenzcluster 16 „Kulturelle Grundlagen von Integration“
Tel.: +49 (0) 75 31/88-4741
E-Mail: claudia.amann[at]uni-konstanz.de
Universität Konstanz                        
Fach D 173
78457 Konstanz


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