Universität KonstanzExzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“

Neuerscheinung: Mahnen und Regieren. Von Monika Suchan

6. Juli 2015

Cover

Die Metapher des Hirten im früheren Mittelalter
Berlin: de Gruyter 2015
(Millennium-Studien / Millennium Studies, 56)
Zitation

Die Metapher des Hirten ist seit Jahrtausenden in vielen Kulturen geläufig. In der Karolingerzeit prägte sie Selbstverständnis und Handeln der Führungsschichten. Doch in der Geschichtswissenschaft fand sie bisher kaum Aufmerksamkeit. Papst Gregor der Große formulierte mit Hilfe dieser Metapher ein weithin rezipiertes Führungsmodell, das nicht allein auf den hohen Klerus zielte. Wie die Studie zeigt, wurde Gregors „Hirte“ seit etwa 750 von den karolingischen Königen gemeinsam mit den Bischöfen zu einem gesellschaftspolitischen Diskurs weiterentwickelt. Dessen Funktionsweise lässt sich mit Michel Foucault als „Pastorale Macht“ beschreiben. Er beruhte auf der zentralen Aufgabe des Hirten, der Ermahnung. Frankenkönig und Bischöfe setzten ihre pastorale Verantwortung in Beratungen auf regelmäßigen Synoden um. Dabei produzierten sie eine Fülle von Texten, die dem gemeinsamen Diskurs Struktur und Substanz gaben. Im 10. Jahrhundert konzentrierte sich Regieren durch Mahnen auf liturgische Kontexte, ohne seine politischen Qualitäten einzubüßen. Politik im Frühmittelalter wird auf diese Weise neu beschrieben: weniger als Herrschaft, die durch ein Gottesgnadentum legitimiert war, denn als gesellschaftlicher Diskurs der Führungsgruppen. (Verlag)

PD Dr. Monika Suchan war wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Professur für mittelalterliche Geschichte (Prof. Dr. Gabriela Signori) an der Universität Konstanz. 2012 forschte sie als Fellow am Kulturwissenschaftlichen Kolleg Konstanz, wo das vorliegende Buch entstand.
Der Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“hat das Erscheinen dieses Buches gefördert.


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