Universität KonstanzExzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“

Hegel als Erzähler. Die narrative Verfasstheit der europäischen Moderne

26. Juni 2013

Plakat

Frankfurter Adorno-Vorlesungen

Prof. Dr. Albrecht Koschorke

Zu den verbreiteten Ansichten über das moderne Leben gehört, dass es nicht mehr erzählt werden kann. Prominent hat Adorno, darin Benjamin folgend, diese Diagnose gestellt. Etwas später macht Lyotard das Ende der Großen Erzählungen zum Losungswort der condition postmoderne.

Es ist jedoch leicht zu sehen, dass solchen Befunden ihrerseits eine narrative Konstruktion zugrunde liegt. Sie machen von einem sentimentalischen Erzählschema Gebrauch, mit dem die europäische Moderne sich selbst seit ihren Anfängen kulturkritisch kommentiert. Insofern hängt das Erzählen in der Moderne aufs Engste mit den Selbsterzählungen der Moderne als einer kollektiven Unternehmung zusammen.

Die diesjährigen Adorno-Vorlesungen befassen sich mit der so verstandenen Poiesis der Moderne. Sie setzen mit jener Erzählrevolution ein, in der aus dem Überliefern von Historien zu chronikalen oder exemplarischen Zwecken der Kollektivsingular Geschichte gebildet wird, der zu einer „sowohl transzendenten als auch transzendentalen“ (Koselleck) Macht heranwächst. Ihr Schwerpunkt liegt dementsprechend um 1800, insbesondere auf Hegels Geschichtsphilosophie.

Drei Fragenkomplexe sind zu behandeln:

  1. Welche Erzählstränge führt Hegel in seinem System zusammen?
  2. Welche epistemologischen und narrativen Konsequenzen ergeben sich aus dem Anspruch, Geschichte als ein sich in sich selbst schließendes System zu konstruieren?
  3. Wie gestaltet sich in Gegenreaktion auf das hegemoniale Konzept der Geschichte die unter postkolonialen Vorzeichen erneuerte Pluralisierung von Geschichten (histories) und Modernitäten, und welche Konsequenzen hat dies für aktuelle Bemühungen um eine erzählerische Selbstvergegenwärtigung Europas?

Mi–Fr, 26.–28. Juni 2013, jeweils 18:30–20:30 Uhr
Goethe-Universität Frankfurt M., Mertonstraße 17-21, Hörsaal IV

Über die Frankfurter Adorno-Vorlesungen

Seit 2002 veranstaltet das Institut für Sozialforschung an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt in Zusammenarbeit mit dem Suhrkamp-Verlag jährlich Vorlesungen, die an drei Abenden an Theodor W. Adorno erinnern sollen. Dabei geht es nicht um eine philologische Ausdeutung seines Werks, sondern darum, seinen Einfluss auf die heutige Theoriebildung in den Humanwissenschaften zu fördern und die lebendigen Spuren seines interdisziplinären Wirkens in den fortgeschrittenen Strömungen der Philosophie, der Literatur-, Kunst- und Sozialwissenschaften sichtbar zu machen.

Webseite: http://www.ifs.uni-frankfurt.de/

 


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