Universität KonstanzExzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“

Bella Germania. Eine deutsch-italienische Familiengeschichte

7. Juli 2015

Plakat

Werkstattlesung und -gespräch

Die Werkstattlesung gibt einen außergewöhnlichen Einblick in das Entstehen eines historischen Romans. Daniel Speck liest ein Kapitel aus seinem noch unveröffentlichten Manuskript, das er als Artist in Residence am Kulturwissenschaftlichen Kolleg der Universität Konstanz schreibt. Prof. Dr. Juliane Vogel diskutiert mit ihm über 60 Jahre Italienische Einwanderung in Deutschland und den kreativen Prozess des Geschichtenerzählens.

„Gleis 11 im Münchner Hauptbahnhof war das Ellis Island von Deutschland. Jeden Tag kam ein Sonderzug aus Süditalien an. Aber wo die Amerikaner eine Statue errichteten, die ihre Einwanderer stolz begrüßte, schickten die Deutschen uns in den Bunker. Sicher, die Amerikaner betrieben eine genauso rigide Selektions- und Entlausungsmaschinerie.
Nur die Tüchtigen kamen rein; wer Masern hatte oder den Pass eines falschen Landes, wurde zurückgeschickt. Doch die Demütigung hatte mehr Stil: Amerika versprach seinen Neuankömmlingen, dass sie, wenn sie hart arbeiteten, Teil des Landes und seines kollektiven Traums werden konnten. Deutschland sagte uns, dass wir hart arbeiten, die Klappe halten und dann wieder verschwinden sollten.
Das war der Deal: Dass wir nicht dazu gehörten. Und auch wir glaubten, dass wir nicht bleiben würden. Wozu also Deutsch lernen?“

Im Dezember 2015 feiern wir den 60. Jahrestag des deutsch-italienischen Gastarbeiter-Anwerbe-Abkommens aus dem Jahr 1955. Daniel Specks Roman „Bella Germania“ erzählt die Geschichte der Menschen aus beiden Ländern, die das Gesicht Europas verändert haben: Eine deutsch-italienische Familiensaga in drei Generationen, von den 50er Jahren über die 70er Jahre bis zur Gegenwart.

Keine andere Gastarbeitergeneration hat Deutschland so nachhaltig geprägt wie die Italiener. Was in den 50er und 60er Jahren fremd war, ist heute fester Bestandteil des deutschen Alltags: Pizza und Lasagne, Espresso und Latte Macchiato, Mailänder Mode und mediterrane Lebensart – wer hätte das damals für möglich gehalten, als die „Spaghettifresser“ aus den armen Regionen Italiens von der jungen BRD angeworben wurden? In vollen Sonderzügen fuhren sie gen Norden, lebten in Lagern, arbeiteten trotz gesellschaftlicher Ausgrenzung für das deutsche Wirtschaftswunder, verliebten sich in Deutsche... und fanden unverhofft eine neue Heimat. Die Geschichte der italienischen Einwanderung in Deutschland ist eine Erfolgsgeschichte der gelungenen Integration.

Di, 7. Juli 2015, 20 Uhr
Zimmerbühne in der Niederburg, St. Johanngasse 2, Konstanz

Kontakt

Fred Girod fred.girod[at]uni-konstanz.de


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